Herpes-Erkrankungen

Herpes-Erkrankungen werden beim Menschen durch verschiedene Viren hervorgerufen. Das typische für diese Herpes-Viren ist, dass sie nach der ersten Infektion lebenslang in menschlichen Nervenzellen überleben und dort jederzeit wieder aktiviert werden können. Herpes-Erkrankungen gibt es in allen Formen: von harmlos bis lebensgefährlich. Zu einer Aktivierung der Herpes-Viren und damit einem erneuten Krankheitsausbruch kommt es meistens durch ein bereits geschwächtes Abwehrsystem, zum Beispiel als Folge einer anderen Erkrankung. Der sehr bekannte Lippenherpes macht sich zum Beispiel häufig während einer Erkältungskrankheit als Lippenbläschen bemerkbar.

Welche Herpes-Erkrankungen gibt es und durch welche Erreger werden sie verursacht?

  • Folgende Herpes-Erkrankungen können beim Menschen auftreten:
    • Lippenherpes (Herpes labialis), hervorgerufen durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1
    • Herpes im Genitalbereich, hervorgerufen durch das Herpes-simplex-Virus Typ 2
    • Windpocken und Gürtelrose hervorgerufen durch das Varizella-zoster-Virus
    • Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose, Kusskrankheit), hervorgerufen durch das Epstein-Barr-Virus
    • Zytomegalie, verursacht durch das Zytomegalie-Virus
    • Dreitagefieber bei Säuglingen und Exanthema subitum bei Erwachsenen, hervorgerufen durch das Humane Herpesvirus 6
    • Kaposi-Sarkom bei Patienten mit Abwehrschwäche (z. B. Aids), ausgelöst durch das Humane Herpesvirus 8


Lippenherpes

  • Die Viren, die den Lippenherpes (Herpes labialis) verursachen, ziehen sich nach einer ersten Infektion in die Nervenzellen zurück. Sie überleben dort Jahre und Jahrzehnte lang. Ein Auslöser wie Stress oder eine andere Infektionskrankheit kann sie wieder aktivieren. Dann wandern sie entlang der Gesichtsnerven in die Hautzellen im Mundbereich und rufen dort die typischen, schmerzhaften Bläschen hervor. Diese heilen ohne Behandlung nach 10 bis 14 Tagen in der Regel folgenlos wieder ab. Wird frühzeitig eine Schutzcreme auf die Bläschen aufgebracht, lässt sich die Krankheitsdauer etwas verkürzen oder die Bläschen bleiben fast unsichtbar.
  • Auslöser für den Ausbruch eines Lippenherpes können sein:
    • fiebrige Erkältung, grippaler Infekt
    • starke Sonneneinstrahlung
    • Stress
    • hormonelle Umstellungen (z. B. Schwangerschaft, Menstruation)
    • starke körperliche Belastung
    • Übermüdung


Herpes im Genitalbereich

  • Auch beim Herpes im Genitalbereich verbleiben die Viren nach einer ersten Infektion, meist durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, in den menschlichen Nervenzellen. Es existieren heute zahlreiche Medikamente, die Beschwerden lindern, die Viren aber nicht aus den Nervenzellen beseitigen. Diese werden durch verschiedene äußere Auslöser immer wieder aktiviert und rufen dann im Genital- und Analbereich kleine helle Bläschen hervor, die ein brennendes Gefühl auslösen. Eventuell treten zusätzlich leichtes Fieber und Muskelschmerzen auf.
  • Durch Oralverkehr können die Herpes-Viren auch in den Mundraum übertragen werden und eine schmerzhafte Halsentzündung hervorrufen.
  • Problematisch ist eine Herpesinfektion im Genitalbereich vor allem für Schwangere. Sie sollten ärztlich genau beobachtet werden, da es zu Fehlgeburten sowie einer gefährlichen Infektion des Neugeborenen während der Geburt kommen kann.


Windpocken und Gürtelrose

  • Windpocken (Varizellen) gehören zu den typischen Kinderkrankheiten. Zu Beginn äußert sich die Infektion mit kleinen, rötlichen Schwellungen. Diese verwandeln sich innerhalb eines Tages in juckende Bläschen, trocknen aus und heilen schließlich ab. Schwer kann die Krankheit vor allem bei Erwachsenen und Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem verlaufen. Für Kinder und Jugendliche ist eine Impfung zu empfehlen.
  • Die Viren bleiben auch nach dem Abheilen der Windpocken in den Nervenzellen nahe der Wirbelsäule. Im höheren Alter, bei Abwehrschwäche oder bei einer Krebserkrankung können diese Viren erneut aktiv werden und eine Gürtelrose hervorrufen. Ihr Name stammt von rötlichen, kleinen Bläschen, die sich gürtelförmig um den Oberkörper ausbreiten. Sie verursachen starke brennende Schmerzen, die mehrere Wochen anhalten können.


Pfeiffersches Drüsenfieber

  • Das Pfeiffersche Drüsenfieber betrifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Es äußert sich durch Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Die Mandeln sind gerötet und mit grauen Belägen bedeckt. Zudem sind die Lymphknoten geschwollen. Meist heilt die Krankheit nach einigen Wochen vollständig ab. Selten hat diese Erkrankung schwerere Folgen. In wenigen Fällen kommt es zu einer Infektion mit Streptokokken, das sind Bakterien, die starke Entzündungen verursachen. 


Zytomegalie

  • Die Zytomegalie verläuft bei gesunden Kindern und Erwachsenen meistens völlig unbemerkt. Eventuell treten kurzzeitig grippeähnliche Beschwerden auf. Bei abwehrgeschwächten Patienten oder Neugeborenen kann es aber zu Problemen kommen. Gefährlich ist auch eine Infektion von Babys vor der Geburt, die dann unter anderem schwerhörig werden können oder Hirnschäden davontragen könnten.


Dreitagefieber

  • Das Dreitagefieber ist typisch für Kleinkinder. Es tritt plötzlich mit hohem Fieber auf, das drei Tage lang anhält. Geht die Körpertemperatur wieder zurück, kommt es zu einem kurzzeitigen Hautausschlag. Ansonsten treten keine Beschwerden auf.


Kaposi-Sarkom

  • Das Kaposi-Sarkom ist ein bösartiger Tumor. Die häufigste Form der Infektion tritt fast ausschließlich bei Aids-Kranken auf, deren Immunsystem bereits stark geschwächt ist. Das Kaposi-Sarkom tritt meistens an der Haut auf.


Herpes-Erkrankungen werden durch verschiedene Viren hervorgerufen. Da diese Erreger das ganze Leben in den menschlichen Nervenzellen ruhen, können sie unter bestimmten Umständen erneut Krankheitssymptome verursachen. Typische Krankheitsauslöser sind eine geschwächte Körperabwehr, Stress oder viel Sonne.