Wichtige Laborwerte für HIV-Patienten

Für HIV-positive Menschen ist die regelmäßige Kontrolle der Blutwerte unverzichtbar. Auch wenn äußerlich von der Infektion nichts zu sehen ist, kann sich das Virus im Körper vermehren. Wie schnell das geht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Der Arzt kann aus den Laborwerten ersehen, wie aktiv das Virus ist und wie gut das Immunsystem funktioniert. Nimmt der Patient Medikamente gegen das HI-Virus ein, zeigen die Laborwerte auch, wie gut die Behandlung anschlägt.

Warum sind regelmäßige Blutkontrollen wichtig?

  • Hat sich ein Mensch mit HIV infiziert, greift das Virus bestimmte Zellen im Immunsystem an und schwächt so die Abwehrbereitschaft.
  • Die regelmäßige Überwachung bestimmter Blutwerte (Laborwerte) zeigt, ob und wie stark das HI-Virus das Immunsystem bereits geschädigt hat und wie schnell sich das Virus im Körper vermehrt.
  • Die Laborwerte geben einen wichtigen Hinweis, wann mit einer Therapie begonnen werden soll und sind auch zur Verlaufskontrolle unverzichtbar.
  • In internationalen Leitlinien werden Grenzwerte empfohlen, bei denen eine Therapie mit Medikamenten begonnen werden sollte.
  • Anhand der Laborwerte sieht der Arzt auch, wie gut die Medikamente wirken. Die Blutwerte liefern wichtige Hinweise dafür, ob das Virus eventuell resistent gegen die Therapie geworden ist. In diesem Fall kann sofort ein Wechsel auf ein anderes Medikament erfolgen.
  • Die wesentlichen Werte sind die Zahl der CD4-Zellen und der Wert für die Viruslast. Sie müssen immer gemeinsam betrachtet werden.


Die CD4-Zellzahl – was sagt dieser Wert aus?

  • An der CD4-Zellzahl erkennt der Arzt, wie gut das Immunsystem funktioniert. CD4-Zellen heißen auch Helferzellen und sind eine Art der weißen Blutkörperchen. Als Teil des Immunsystems bekämpfen sie Krankheitserreger. Das HI-Virus greift die CD4-Zellen an und vernichtet sie. Mit der Zeit fehlen diese Zellen im Abwehrsystem, denn der Körper kann nicht schnell genug neue Zellen nachbilden. Ein Mangel an CD4-Zellen bedeutet: Die Abwehr wird mit den krankmachenden Keimen immer schlechter fertig.
  • Bei den Blutuntersuchungen wird die Zahl der Helferzellen pro Mikroliter Blut gemessen. Ein guter Normalwert liegt zwischen 800 und 1200 Helferzellen pro Mikroliter. Unter einem bestimmten Grenzwert wird der Arzt die Empfehlung aussprechen, mit der Therapie zu beginnen. Sinkt die Zahl der Helferzellen, muss das aber nicht immer ein Zeichen für ein Fortschreiten der HIV-Infektion sein. Diese Verschlechterung dieses Wertes kann auch durch andere Ursachen ausgelöst sein, zum Beispiel durch Depressionen, Stress, viel Alkohol oder Erkältungen. Daher muss immer gleichzeitig ein zweiter Wert betrachtet werden, die sogenannte Viruslast.


Die Viruslast im Körper – was heißt das?

  • Um zu wissen wie stark sich das Virus im Körper vermehrt, untersucht man auch die sogenannte Viruslast. Dies ist die Zahl der HI-Viren pro Milliliter Blut.
  • Eine Viruslast unter 10.000 Viren pro Milliliter gilt als niedrig, über 100.000 als hoch. Eine hohe Viruslast spricht für ein aktives Virus und zeigt, dass sich die Infektion schnell fortentwickelt. Das bedeutet auch, dass das Virus die Abwehr schwächt und der HIV-Patient anfällig für Infektionen ist. Je höher die Viruslast, desto größer ist das Risiko, an Aids zu erkranken.
  • Der Arzt erfährt durch diesen Blutwert auch, wie gut die eingenommenen Medikamente wirken. Gelingt es mit den Medikamenten, die Viruslast zu senken, sinkt die Gefahr an Aids zu erkranken.


Was passiert, wenn keine HI-Viren mehr nachgewiesen werden können?

  • Lautet der Befund „Viruslast negativ“ oder „Viruslast nicht nachweisbar“ oder „Viruslast unter der Nachweisgrenze“, so heißt das nicht, dass keine Viren mehr im Blut sind, sondern nur, dass sie wegen zu geringer Menge nicht mehr gemessen werden können. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass in der Samenflüssigkeit (Sperma) oder in der Scheidenflüssigkeit noch Viren vorhanden sind. So kann auch bei nicht mehr nachweisbarer Viruslast im Blut HIV beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. Deshalb müssen HIV-Infizierte weiterhin Kondome verwenden und die Regeln des Safer Sex dringend weiter befolgen.


Die CD4-Zellzahl und die Viruslast sind wichtige Laborwerte, um den Verlauf der HIV-Infektion und das Ansprechen der Medikamente zu beurteilen. Sie informieren indirekt über den Krankheitsverlauf, auch wenn keine Veränderungen der Krankheitssymptome zu beobachten sind. Diese Werte sind auch eine Orientierungshilfe für den Arzt, wann der Patient mit einer Therapie beginnen, oder andere Medikamente einnehmen muss.