Was geschieht bei einer Knochenmarkspunktion?

Eine Knochenmarkspunktion kann nötig sein, um Erkrankungen zu erkennen, die mit der Blutbildung zu tun haben – diese findet im Knochenmark statt. Deswegen muss der Arzt in örtlicher Betäubung aus dem Inneren des Beckenknochens mit einer Spritze etwas Knochenmark entnehmen. Der Eingriff ist für den Patienten wenig belastend und findet meistens ambulant statt, sodass man kurz danach wieder nach Hause gehen kann.

Warum ist der Eingriff nötig?

  • Im Knochenmark, das sich im Inneren vieler Knochen befindet, werden verschiedene lebenswichtige Blutzellen gebildet. Wenn der Verdacht einer Erkrankung des blutbildenden Systems besteht, muss der Arzt handeln. Zu den Erkrankungen zählen beispielsweise:
    • Verschiedene Formen der Leukämie (bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen);
    • Bestimmte Formen einer Anämie (Blutarmut) Erkrankungen des lymphatischen Systems;
    • Lymphdrüsenkrebs (Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphome);
    • Auch bösartige Tumoren anderer Organe können mit Tochtergeschwülsten das Knochenmark befallen. Dies sind beispielsweise Brustkrebs, Lungenkrebs oder Prostatakrebs.
  • Eine Knochenmarkspunktion wird auch zur Verlaufskontrolle von Erkrankungen des blutbildenden Systems vorgenommen, wenn mit der Therapie bereits begonnen wurde.


Wie wird eine Knochenmarkspunktion durchgeführt?

  • Der Arzt entnimmt bei diesem Eingriff eine kleine Probe aus dem Beckenkamm (der äußere, obere Rand des Beckens) oder am Brustbein. Der Patient liegt hierfür auf einer Liege. Zunächst wird die Haut über der Entnahmestelle mit einem Desinfektionsmittel von Hautkeimen befreit. Dann erhält der Patient eine örtliche Betäubung. Auf Wunsch bekommt er zusätzlich Beruhigungs- oder Schmerzmittel. Diese sind aber meistens nicht nötig.
  • Nun führt der Arzt eine Spezialnadel durch die Haut und den Knochen ins Knochenmark ein und saugt mithilfe einer Spritze eine kleine Menge Knochenmark an. Das Einführen der Punktionsnadel wird meist nicht als schmerzhaft empfunden. Dagegen kann das Ansaugen des Knochenmarks einen kurzen, heftigen Schmerz verursachen.
  • Manchmal ist es erforderlich, zusätzlich eine Knochenmarksbiopsie durchzuführen. Dafür wird ein ein bis zwei Zentimeter langer und wenige Millimeter dicker Knochenzylinder entnommen, damit dieses gewonnene Material untersucht werden kann.
  • Bei einer Knochenmarkspunktion können lediglich die im Knochenmark vorhandenen Zellen beurteilt werden, bei einer Knochenmarksbiopsie hingegen auch der Knochen und die Gefäße. Das ist für die Diagnostik einiger Erkrankungen wichtig.


Welche Nebenwirkungen oder Komplikationen können auftreten?

  • In der Regel treten bei einer Knochenmarkspunktion keine ernsthaften Komplikationen auf. Das Infektionsrisiko ist sehr gering. Verletzungen von Organen, die nahe der Punktionsstelle liegen, sind sehr selten. Tritt eine Nachblutung aus der Punktionsstelle auf, wird diese durch Druck mit einem Sandsack auf die Punktionsstelle behoben.


Was ist sonst noch zu beachten?

  • Der Patient sollte den Arzt vor der Punktion über mögliche Allergien sowie über eine eventuell verstärkte Blutungsneigung informieren. Im Anschluss an den Eingriff darf der Patient, sofern er ein Beruhigungsmittel erhalten hat, 24 Stunden nicht Auto fahren. Wenn der Eingriff ambulant stattgefunden hat, sollte er sich daher von einer vertrauten Person aus dem Krankenhaus abholen lassen. Der Patient darf drei Tage nicht baden, damit keine Keime aus dem Badewasser in die Einstichstelle gelangen können.


Eine Knochenmarkspunktion ist eine wichtige Untersuchung für die Diagnose von Erkrankungen des blutbildenden Systems. Sie ist schnell und einfach durchzuführen und für den Patienten meist wenig belastend.