Was passiert in einem Schlaflabor?

Fast jeder fünfte Mensch in den westlichen Industrieländern leidet unter Schlafproblemen. In manchen Fällen kann der Arzt die zugrunde liegende Störung nur durch eine Untersuchung im Schlaflabor herausfinden.

Was ist ein Schlaflabor?

  • Schlaflabore gibt es in Kliniken, aber auch in spezialisierten Arztpraxen. Dort werden Patienten während des Schlafes untersucht, um die genauen Schlafabläufe bewerten zu können. Die Bewertung der Schlafabläufe zieht der Arzt für die endgültige Diagnosestellung und die sich daraus ergebende Therapie heran.


Wann ist eine Untersuchung in einem Schlaflabor notwendig?

  • Eingesetzt wird die Untersuchung im Schlaflabor vor allem bei folgenden Erkrankungen:
    • Nächtliches Aussetzen der Atmung, meist mit Schnarchen verbunden (obstruktives Schlafapnoe-Syndrom)
    • Unkontrollierte Bewegungen der Beine, vor allem im Schlaf (Restless-Legs-Syndrom)
    • Plötzliche Schlafattacken während des Tages (Narkolepsie);
    • Ausgeprägte Müdigkeit während des Tages
    • Probleme beim Einschlafen oder häufiges Aufwachen während der Nacht
    • Bestimmte neurologische oder psychiatrische Erkrankungen


Was geschieht bei der Untersuchung?

  • Die Untersuchung im Schlaflabor nennt man Polysomnografie. Dabei werden sehr viele verschiedene Messwerte des Körpers gleichzeitig gemessen, gespeichert und anschließend ausgewertet.
  • Im Einzelnen werden folgenden Methoden eingesetzt:
    • Elektroden auf der Brust leiten ein Elektrokardiogramm (EKG) ab, um die Herzfunktion beurteilen zu können.
    • Mit Fühlern, die an einem Brustgurt oder einem Bauchgurt befestigt sind, wird die Atmung überwacht.
    • Ein Sensor am Finger, dem Ohrläppchen oder auf der Haut misst die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff und/oder Kohlendioxid. Ein Fühler an der Nase erfasst zusätzlich die Tiefe der Atmung.
    • Über Elektroden an der Stirn, den Wangen und am Kopf werden Hirnströme abgeleitet (Elektroenzephalogramm, EEG). Außerdem werden so die Bewegungen der Augen, des Mundes oder weiterer Gesichtsmuskeln sichtbar gemacht. Elektroden an den Unterschenkeln können Bewegungen der Beine aufzeichnen.
    • Ein Mikrofon nimmt Schnarchgeräusche auf. Manchmal benutzt man eine Videokamera, um Bewegungen während des Schlafes aufzuzeichnen.
    • In besonderen Fällen können noch weitere Untersuchungen nötig sein, z. B. Blutdruckmessung, Temperaturmessung oder Druckmessung über eine Magensonde.
  • Bei obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom kommt in einigen Fällen auch eine Atemmaske zum Einsatz.


Wie läuft eine Untersuchung in einem Schlaflabor ab?

  • In der Regel kommt der Patient am späten Nachmittag oder am Abend in das Schlaflabor. Bei bestimmten Fragestellungen kann die Untersuchung auch tagsüber stattfinden.
  • Oft wird bei der Ankunft ein Fragebogen ausgefüllt, es findet ein Gespräch mit einem Arzt oder eine körperliche Untersuchung statt. Der Patient kann seine gewohnte Nachtkleidung anziehen. Nach dem Anlegen der verschiedenen Elektroden kann der Patient in der Regel noch bis zum Schlafengehen lesen oder fernsehen. Um ungestört zu sein, hat jeder Patient ein eigenes Zimmer. Während des Schlafs ist immer ein Mitarbeiter in der Nähe.
  • Die Werte der ganzen Nacht werden aufgezeichnet, bevor der Patient am nächsten Morgen das Schlaflabor wieder verlässt. Die Ergebnisse der Untersuchung werden nach der Auswertung zu einem späteren Termin besprochen oder an den Hausarzt weitergeleitet.


Kann man in einem Schlaflabor überhaupt schlafen?

  • Trotz der umfangreichen technischen Ausstattung sind die Schlafräume sehr ruhig, freundlich und ansprechend ausgestattet. Die Kabel der notwendigen Sensoren werden neben dem Bett in ein kleines Kästchen gelegt. Dadurch ist die Bewegungsfreiheit im Schlaf nicht beeinträchtigt. Die Elektroden werden zwar anfangs als störend empfunden, die Erfahrung zeigt aber, dass diese das Einschlafen kaum verzögern. Trotzdem empfinden die meisten Menschen den Schlaf in einem Schlaflabor weniger erholsam als zu Hause.


Was muss man vor der Untersuchung beachten?

  • Die Untersuchung im Schlaflabor ist wesentlich von der Mitarbeit des Patienten abhängig.
  • Eventuell wird der Patient gebeten, ein „Schlaftagebuch“ der vorangegangenen Nächte am Untersuchungstag mitzubringen.
  • Am Tag der Untersuchung sollte man den Genuss von Alkohol und koffeinhaltigen Getränken vermeiden. Ein Kaffee zum Frühstück kann in Absprache mit dem Schlaflabor erlaubt sein. In den Tagen vor der Untersuchung sollte man den normalen Tag-Nacht-Rhythmus einhalten und nicht nachts arbeiten.
  • Die meisten Patienten können ihre Medikamente wie üblich einnehmen. Einzelne Medikamente müssen aber vor der Untersuchung abgesetzt werden. Darüber informiert das Team des Schlaflabors rechtzeitig vor der Untersuchung. Eine Übersicht der Medikamente, die regelmäßig einzunehmen sind, ist dabei hilfreich. In jedem Fall sollte man Notfall-Medikamente – etwa ein Asthma-Spray – mitnehmen, wenn sie vom Arzt verschrieben wurden.

 

Die Untersuchung im Schlaflabor ist völlig harmlos, hilft aber bei vielen Schlafstörungen, eine Diagnose zu stellen und eine Therapie einzuleiten. Dazu werden viele Werte während des Schlafes aufgezeichnet und anschließend von einem Arzt oder einem Ärzteteam ausgewertet und mit dem Patienten besprochen.